APPS & SCHRITTEMACHER


Was wäre unsere heutige Welt ohne Apps? Die bunten Kacheln sind nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Via Smartphone geben sie uns vor, was wir essen, trinken, wie wir uns kleiden sollen, ja, wen wir gern haben und sogar, wer zu uns passen könnte. Bald tätigen sie für uns etwa noch Telefonate und Postings.

An so einem wunderschönen Tag wie heute weist mich eine dieser Apps wenig charmant drauf hin, dass meine Schrittleistung völlig ungenügend ist. Zigtausende Schritte liegen vor mir. Allerdings vergisst das digitale Plappermaul mich auf das kommende Unwetter hinzuweisen. Nach etlichen Jahren des Arbeitens für einen amerikanischen Konzern bin ich daran gewöhnt, angesagte SOPs zu befolgen – Standard Operation Procedures, wie man so sagt, nun also auch im Privaten. Der Auftrag: Haus verlassen, eifrig Schritte machen. Mittlerweile ist der gesamte Freundeskreis infiziert. Jeder misst Schritte, bei allen sich bietenden Gelegenheiten. 10.000 ist die tägliche Vorgabe!

Aber für heute ist dann Schluss. Exakt Halbzeit. Perfektes Timing. Blitz und Donner lassen gleich die Welt erzittern. Fühle mich wie ein Radler ohne Fahrrad. Dieser Gedanke macht mir Spaß. Mehr Mobilität fürs Hirn statt für den Körper. Und selbst Radler brauchen Pausen. Ernähren sich doch gesund. Rhabarberkuchen mit viel Vitamin C zum Beispiel. Ich bin für Optimierung und denke über Flüssignahrung nach. Radler haben ja auch ihren eigenen Drink. Meine Infusion ist „Aperol Spritz“ – mit Prosecco bitte.

Des Fußgängers Vorteil: Auch wenn heute im Training erst bei der Halbzeit, so braucht’s dennoch kein Abwägen, kein Mitzählen und es müssen keine Promille ausgerechnet werden. Mathe war in der Schule. Und die Schritte zählt eh die App. Also keine Bange um den Führerschein, sofern vorhanden.

Jetzt aber Einkehr! Mein Stammtisch in Valentina’s bester Osteria bietet Schutz vor dem Unwetter und beste Aussicht auf die auf- und ab-eilende Prominenz der Praterstraße. Johnny bemerkt sofort: Diana’s neues Rot ist heute grün – grasgrün! Tja, wer sagt, dass Rot immer rot sein muss. Mein Fratello warnt liebevoll besorgt vor freilaufenden Stieren. Schon kommt der Erste: „Hello Lady in Green!“ Er absolviert seine Lektion für gutes Benehmen, auch wenn’s ihm spanisch vorkommt. Mit Deutsch wird’s eh nix mehr bei ihm. Aber mein Italienisch macht Fortschritte.

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